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Editorial Virginia Nr. 70 (Frühjahr 2022)

 

Liebe Leserinnen,

Literatur kann Unterhaltung sein, Ablenkung und Trost, aber auch Aufruf zum Widerstand, Widerspruch und Waffe gegen Ignoranz und Lügen. Sie gibt uns die Gelegenheit, uns und unsere Geschichte(n) neu- und wiederzuentdecken. Sie führt uns vor, dass Dinge auch anders sein könnten – oder dass sie sich dringend verändern müssen. Sie macht uns Mut, aber manchmal wirft sie auch "nur" ein unbarmherziges Schlaglicht auf die Realität. Selten lässt sie uns unberührt – selbst dann nicht, wenn sie schlecht ist und noch viel weniger, wenn sie gut ist.

Es ist wohl unübersehbar, dass wir Literatur, als Ablenkung, Trost und Waffe, derzeit besonders dringend brauchen. Zum Glück gibt es an inspirierender Literatur keinen Mangel, wie die Rezensionen und die Neuerscheinungsliste in dieser, der siebzigsten, Ausgabe der Virginia wieder einmal deutlich machen.

Kämpferinnen, Anders als die anderen, Dem Tod davongelaufen, Eine unstillbare Sehnsucht, Seid unbeugsam! – in dieser Ausgabe fallen besonders viele Geschichten von Widerstand, Widerständigkeit und, das viel bemühte Wort sei erlaubt: Resilienz, auf.

Es gibt wieder Neues zu entdecken: Romane und Erzählungen, die erst lange nach ihrer Entstehung veröffentlicht (Simone de Beauvoir, Ida Erne) oder übersetzt und neu aufgelegt werden (Aphra Behn). Und die Literatur selbst wird zum Thema. In der FrauenLiteratur-Geschichte von Nicole Seifert, in einem Band über von zwei Schwestern gegründete unabhängige ägyptische Buchläden oder über die Darstellung von Frauen in der antiken Literatur.

Stichwort Literatur: Wie wir im letzten Editorial schon anmerkten, gibt es wieder mehr Frauenverlage. In diesem Jahr ist noch der Magas Verlag dazugekommen, ein unabhängiger Kleinverlag, der sich auf die Themen Menstruation, Schwangerschaft, Geburt, Menopause und weibliche Sexualität spezialisiert hat.

Und der Manesse Verlag, ein Imprint von Penguin Random House, der Klassiker der Weltliteratur aus allen Epochen und Kulturkreisen veröffentlicht, hat in diesem Jahr den Schwerpunkt "Mehr Klassikerinnen" gewählt und legt Bücher von Autorinnen von Neuseeland (Katherine Mansfield) über Japan (Yosano Akiko), Afrika (Olive Schreiner) und Europa (Virginia Woolf) bis hin zu Südamerika (Clarice Lispector) neu auf.

Für literarische Entdeckungen und Wiederentdeckungen ist also weiterhin gesorgt.

Wie immer wünschen wir Ihnen/euch nun beim Lesen, sei es beim Abtauchen in literarische Welten oder der Auseinandersetzung mit dem Zeitgeschehen, Trost, Anregung, Ermutigung und Spaß!



Hinweis: Leider hat sich bei der Rezension der Werke von May Ayim (S. 6/7) ein Fehler eingeschlichen. Die Autorin starb nicht 1997, sondern im August 1996. Wir entschuldigen uns für diesen Fehler.