Editorial Virginia Nr. 79 (Herbst 2026)
Liebe Leserinnen,
Leider beginnt auch dieses Editorial wieder mit traurigen Nachrichten, denn innerhalb von nur wenigen Tagen sind drei wichtige feministische Autorinnen verstorben. Die erste war am 2. September die US amerikanische Journalistin Gloria Steinem, unter vielem anderen die Mitgründerin der ersten feministischen Zeitschrift MS (1971), die bis heute maßgeblich feministische Debatten in den USA mitbestimmt. Drei Tage später war es dann die US amerikanische Journalistin und Schriftstellerin Robin Morgan, auch sie Mitgründerin von MS, von der über 20 Bücher erschienen, die zum Teil Basistexte der Frauenbewegung sind, von denen aber leider nur zwei ins Deutsche übersetzt wurden. Und kurz bevor diese Ausgabe in Druck ging, erreichte unseine weitere traurige Nachricht: Die Verlegerin Antje Kunstmann ist am 16. September gestorben.
Während über alle drei in den Medien berichtet wurde, bleibt es um den Tod der Sozialwissenschaftlerin und Musikerin Christina ThürmerRohr am 10.09. diesen Jahres merkwürdig still. Dabei war sie eine wichtige feministische Stimme in Deutschland, deren These der Mittäterschaft von Frauen am Patriarchat für heftige Diskussionen gesorgt hat. Sie machte deutlich, dass es um Diskriminierung und Strukturen der Gesellschaft geht, also nicht um Moral, und dass Frauen nicht die besseren Menschen sind.
Alle vier Frauen haben uns viel hinterlassen – und wir ihnen viel zu verdanken.
Aber zum Glück gibt es auch gute Nachrichten: So erhält die Autorin Esther Dischereit den Großen Preis des Deutschen Literaturfonds, zu dem wir ganz herzlich gratulieren möchten. In der Virginia Nr. 76 haben wir ihren Roman Ein Haufen Dollarscheine rezensiert. Mit dem Georg Büchner Preis 2026 wird die Schriftstellerin Christine Wunnicke ausgezeichnet. Eine Besprechung ihres Romans Wachs findet sich in der Virginia Nr. 77. Auch ihr unseren herzlichen Glückwunsch.
Gratulieren möchten wir auch dem Kölner Frauengeschichtsverein (s. auch S. 20) wie dem Furore Verlag, der sich exklusiv der Musik von Komponistinnen widmet. Beide sind in diesem Jahr – wie übrigens auch die Virginia Frauenbuchkritik – 40 Jahre alt geworden.
Und natürlich gibt es auch wieder viele gute neue Bücher von Autorinnen, von denen wir euch in dieser Ausgabe einige vorstellen.
Wir wünschen wie immer eine anregende Lektüre
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