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Editorial Virginia Nr. 59 (Herbst 2016)

 

Liebe Leserinnen,

Die Virginia Frauenbuchkritik wird 30. Grund zum Feiern! Es gibt uns noch, und das, während viele Publikationen sich ganz aufs Internet beschränken, sogar als Printausgabe! Und wir wünschen uns natürlich, noch einige weitere Jubiläen begehen zu können.

Wie fing alles an? Es war im Oktober 1986, als die erste Ausgabe der Virginia Frauenbuchkritik erschien. Sie wurde nach dem Vorbild der amerikanischen Women´s Review of Books herausgegeben von der Buchhändlerin und Verlegerin Anke Schäfer und der Bibliothekarin und Journalistin Hinrike Gronewold. Den Namen hatte sie Virginia Woolf zu verdanken, der großen englischen Autorin, die im Zuge der Neuen Frauenbewegung wiederentdeckt worden war und die neben Romanen, Essays und anderem auch Rezensionen geschrieben hatte.

Die 1980er Jahre waren die Hochzeit der Frauenprojekte, es wurden u. a. zahlreiche Frauenbuchläden und Frauenverlage gegründet. In diese Aufbruchphase passte eine Zeitung wie die Virginia, die Rezensionen aus dem umfangreichen und vielfältigen Angebot der damaligen Zeit bieten wollte. Denn Bücher aus den Frauenverlagen, an sich alles, was feministisch war, wurden so gut wie gar nicht von der allgemeinen Presse wahrgenommen, was sie natürlich nicht weniger lesenswert machte - im Gegenteil.

Was sich bis heute geändert hat, ist, dass es inzwischen weniger reine Frauenverlage gibt, nicht aber, dass Bücher von Frauen weniger von der Mainstream-Presse wahrgenommen und besprochen werden als die von Männern. Es mögen zwar inzwischen mehr Frauen in den Feuilletons arbeiten als noch vor dreißig Jahren, von einer Ausgewogenheit in den Besprechungen kann aber nach wie vor keine Rede sein. Bücher über Feminismus bzw. Literatur von Lesben werden kaum besprochen oder auf zum Teil merkwürdigste Art und Weise, wie sich aktuell gerade an den Rezensionen von Antje Rávic Strubels neuestem Roman zeigt.

Wir schauen uns natürlich die Neuerscheinungen an und verweisen regelmäßig in unserer Neuerscheinungsliste auf den Reichtum hin, den Bücher von Frauen zu bieten haben. Wir erlauben uns jedoch daneben auch die Freiheit und den Luxus der Entdeckungen und Wiederentdeckungen jenseits der immer kürzer werden "Halbwertzeit" der meisten Bücher. Und wir legen einen besonderen Augenmerk auf die Bücher der kleineren unabhängigen Verlage und auf Bücher, die ansonsten häufig untergehen und weniger bzw. gar keine Aufmerksamkeit von den Medien bekommen. Und auch wenn wir bekannte Autorinnen besprechen, so liegt unser Fokus doch deutlich anders als der der großen Feuilletons, wo gerne der Nachdruck auf Äußerlichkeiten und Persönlichem liegt statt auf den Büchern selbst, wie sich derzeit viel, was über Elena Ferrante geschrieben wird, auf ihre Person und weniger auf ihre Bücher bezieht.

Die heutige Redaktion arbeitet inzwischen bereits seit 16 Jahren zusammen, also jetzt mehr als die Hälfte der Zeit, in der es die Virginia gibt. Von 2001 bis 2011 erschien die Virginia im Christel Göttert Verlag, seit der 50. Ausgabe im Frühjahr 2012 im AvivA Verlag. Wir sind ein gut eingespieltes Team von leidenschaftlichen Leserinnen, Feminismus ist uns heute genauso selbstverständlich wie damals. Zu unserem Jubiläum möchten wir uns ganz herzlich bei allen Rezensentinnen, Buchhändlerinnen, Leserinnen und nicht zuletzt Anzeigenkundinnen bedanken, die uns seit Jahren - zum Teil wirklich von Anfang an, wie ein Blick in die ersten Ausgaben zeigt - die Treue halten. Und wir freuen uns auf weitere Ausgaben mit vielen neuen spannenden Büchern.