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Wie Rotwein und Honig, wie Brot am Morgen - Liebe zwischen Frauen

Doris Hermanns über

Horsley, Joey; Pusch, Luise (Hg.innen): Berühmte Frauenpaare. Suhrkamp 2005.
Virginia Nr. 38 (Herbst 2005), Seite 16.

Bezogen sich die bisherigen Bände von Luise F. Pusch auf Frauen in Beziehung zu Männern (Schwestern, Töchter, Mütter berühmter Männer), so geht es in diesem lange angekündigten und nun endlich erschienenen Band um die Beziehungen von Frauen untereinander. Passend zum Thema ist er diesmal nicht nur von Pusch alleine, sondern auch von ihrer Partnerin Joey Horsley herausgegeben. Die beiden haben jeweils das Vorbzw. das Nachwort geschrieben, die die sieben Lebensgeschichten von Frauen aus Europa und Nordamerika aus dem 19. und 20. Jahrhundert in einen theoretischen Rahmen setzen. So unterschiedlich ihre Beziehungen auch waren, geht es doch um häufig jahrzehntelange Verbindungen, in denen Frauen einen zentralen Platz im Leben der Partnerinnen eingenommen haben. Es war längst überfällig, dass die Vielfalt von Frauenbeziehungen endlich öffentlich gemacht wird. Erschwert wird dies leider dadurch, dass nur relativ wenig Selbstzeugnisse von Frauen erhalten sind, so dass unklar ist, wie die Frauen selbst über ihre Beziehungen gedacht und wie sie sie gelebt haben.

Wenn bisher über Frauen geschrieben wurde, wurden ihre Beziehungen zu anderen Frauen und deren Bedeutung entweder völlig weggelassen oder nicht hinreichend zur Kenntnis genommen, so dass ihre Wichtigkeit meistens nicht deutlich wurde.

In ihrem kurzen Ãberblick über die historische Lesbenforschung zeigt Joey Horsley auf, wie sich die Einschätzung von Frauenbeziehungen seit den romantischen Freundschaften des 19. Jahrhunderts bis heute verändert hat.

Erzählt werden von den verschiedenen Autorinnen die spannenden Lebensgeschichten der Frauenrechtlerinnen Anita Augspurg mit Lida Gustava Heymann, der Malerin Rosa Bonheur mit Nathalie Micas und später auch mit der Malerin Anna Klumpke, der Ãkologin Rachel Carson mit Dorothy Freeman, der Sängerin Marie Fillunger mit Eugenie Schumann, der Journalistin Milena Jesenská mit der Publizistin Margarete Buber-Neumann, der Schriftstellerin Katherine Mansfield mit Ida Baker und der Dichterin Amy Lowell mit der Schauspielerin Ada Dwyer Russell.

Neu für den deutschsprachigen Raum sind die Lebensgeschichten von Amy Lowell und Ada Dwyer Russell, die Joey Horsley und Luise F. Pusch anhand der Gedichte von Amy Lowell rekonstruieren, die hier zum ersten Mal in deutscher Sprache veröffentlicht sind, sowie die von Rachel Carson, deren Buch "Der stumme Frühling" auch in Deutschland als ökologischer Klassiker bekannt ist.

Die Beziehung von Marie Fillunger und Eugenie Schumann ist zwar bereits durch den von Eva Rieger herausgegebenen Briefwechsel ("Mit tausend Küssen Deine Fillu", s. Virginia 34) bekannt geworden, aber ihr Beitrag in diesem Buch beschreibt auf sehr persönliche Weise ihre Spurensuche und fügt somit dem bereits Bekannten noch Neues hinzu.

Es gibt in diesem Band jedoch nicht nur positive Beispiele für Frauenbeziehungen, sondern auch problematische wie die von Katherine Mansfield und Ida Baker, in der von einem Gleichgewicht keine Rede sein konnte. Historisch gesehen waren traditionelle Ehen häufig ein Hindernis für Frauen, die Karriere machen wollten. Die hier vorgelegten Lebensgeschichten machen deutlich, dass es auch andere Lebensentwürfe gegeben hat und gibt, dass Frauen auch die Musen anderer Frauen sein können, wobei deutlich wird, dass einiges von Lesben doch sehr unterschiedlich wahrgenommen wurde.

Ein unbedingt lesenswertes Buch für alle, die gerne Biografien lesen und die an Frauen- und Lesbengeschichte interessiert sind. Da es noch viele berühmte Frauenpaare gibt, dürfen wir auf den bereits angekündigten Nachfolgeband gespannt sein.

© Virginia Frauenbuchkritik